Wal-Mart schreckt den deutschen Einzelhandel<ZURÜCK>

Mit perfekter Logistik will der US-Konsumgigant in Europa Fuß fassen

Frankfurt – Der deutsche Einzelhandel ist für Anleger seit geraumer Zeit so attraktiv wie die kassachische Steppe. Dürre Jahre mit schwindenden Umsätzen und extrem niedrigen Margen prägten in der Vergangenheit das Geschäft der deutschen Handelsketten. Doch die Branche ist in Aufruhr geraten. Mit dem US-Unternehmen Wal-Mart betritt ein neues Schwergewicht europäischen Boden.

Betont gelassen geben sich Manager der großen Kaufhaus- und Supermarktketten derzeit in der Öffentlichkeit. Spätestens seit Billiganbieter Aldi die Republik mit seinen Märkten überzogen hat, seien die Profite der agierenden Unternehmen ins Bodenlose gefallen. Bei unter einem Prozent liege derzeit die durchschnittliche Umsatzrendite, schätzen Banchenexperten. Langsam aber stetig gehe der Konsolidierungsprozeß voran; dem großen Sterben der Tante-Emma-Läden vor gut zwanzig Jahren folgte der Ausverkauf der kleinen Supermärkte.

Angesichts dieser Investoren-Tristesse mag sich mancher Anleger fragen, was der weltgrößte Einzelhandelskonzern Wal-Mart auf europäischem Boden zu gewinnen hat? Denn insbesondere in Deutschland, das die Amerikaner als Ausgangspunkt für ihre euopäischen Expansionspläne auserkoren haben, scheinen die Claims der Branchengrößen Metro und Tengelmann abgesteckt.

Zwar hat sich das US-Unternehmen inzwischen durch die Akquise der Wertkauf-Kette und von 74 Interspar-Märkten über 5 Mrd. DEM an Umsatz zusammengekauft; Branchenexperten schätzen aber, daß die kritische Masse für einen Einzelhandelskonzern in der Oberliga um den Faktor drei bis vier höher liegen dürfte. Woher dieser Umsatz kommen soll, ist bislang fraglich. Denn auch die deutschen Big-Players sind auf der Suche nach geeigneten Expansionsmöglichkeiten.

Vielmehr als um ihre Marktanteile dürften die Lokalmatadore Angst um ihre sowieso schon dürftigen Gewinnmargen haben. Denn Wal-Mart gilt nicht nur als der größte, sondern gleichzeitig als der profitabelste Konzern der Branche. Mit einer Umsatzrendite von über sieben Prozent deklassiert das Unternehmen aus Bentonville seine Mitbewerber. Möglich wird dies durch eine ausgefeilte Logistik, die den Amerikaner hilft, Lagerkapazitäten überflüssig zu machen. Ähnlich wie in der Automobilbranche, hält Wal-Mart seine Lieferanten zu zielgenauer Anlieferung von Waren an.

Gleichzeitig wird ein großer Teil des Risikos auf die Produzenten und Grossisten abgewälzt: Wal-Mart verpflichtet seine Lieferanten zur Bewirtschaftung von Flächen in den Hektargroßen Supermärkten; Geld fließt erst, sobald die Waren abgesetzt sind. Durch seine gewaltige Marktmacht diktiert der Megakonzern die Spielregeln.

Auch kundenseitig zeigt sich Wal-Mart innovativ bis aggressiv. Durch den Einsatz von Data-Mining hat das Unternehmen tiefe Einblicke in das Kaufverhalten der Kundschaft. Durch diese Datenflut lassen sich computerunterstützt Rückschlüsse über Vorlieben der Konsumenten und das optimale Warenangebot ziehen. Dagegen wirkt das anheimelnde Gedudel zwecks Kaufmotivation in heimischen Kaufhäusern fast schon wie aus einer anderen Zeit. Insgeheim haben sich die hiesigen Einzelhändlern angesichts der aggressiven Preisstrukturen von Wal-Mart daher schon auf einen kälteren Wettbewerbswind eingestellt. Daß die eine oder andere Branchengröße in diesem Wettkampf mit verschärften Regel unter die Räder kommen dürfte, ist daher nur wahrscheinlich. 14/01/99 tms
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