Neues im Wertkauf <ZURÜCK>
"Cheer" motiviert das Team 
Von BETTINA KIWITT 

"Give me a W! (Gib mir ein W!)" "W" schmettern 40 Kehlen ihrem Chef entgegen. "Give me an A!" "A" hallt es durch den Wertkauf. So geht's weiter mit munterem Klatschen und sportlichen Knicksen, bis das Schlüsselwort buchstabiert ist: "WAL-MART".

Der "Wal-Mart-Cheer" gehört seit einem Jahr für die 320 Mitarbeiter des Hauses im Indupark zum Ritual, das etwa zweimal die Woche direkt im Laden vor den Kunden praktiziert wird. "Am Anfang gab's ein paar Anlaufschwierigkeiten, aber jetzt klappt's gut", lobt Peter Böhlert, zweiter Geschäftsführer des Hauses, sein Team.

Seit der Übernahme durch den weltweit größten Einzelhandelskonzern Wal-Mart sind im Wertkauf amerikanische Methoden der Mitarbeiter-Motivation eingeführt worden. Dabei geht es nur um eines, wie der "Cheer" verrät: "Whose the number 1? (Wer ist die Nummer 1?)" "The customer always! (Der Kunde immer)." Aber in allererster Linie dürfte es darum gehen, viel Geld zu verdienen. Und das klappt bekanntlich nur, wenn die Kunden zufrieden sind. Daran werden die Mitarbeiter ständig erinnert. 

Alle Wertkauf-Mitarbeiter lächeln auf einen Schlag freundlich - dann wird wahrscheinlich Geschäftsführer Peter Böhlert gerade ein "Sunshine" über die Lautsprecheranlage geschickt haben. Wie funktioniert das Lächeln auf Befehl? "Es klappt", meint der 30jährige Diplom-Kaufmann, der für seinen Einsatz speziell geschult wurde.

Der Nordhesse war von Anfang an offen für die neuen Methoden, den "Cheer-Frontmann" zu spielen, macht ihm Spaß. "Die Mitarbeiter sollen sich fühlen wie in einer großen Familie", erläutert er das Konzept, das hinter dem "Cheer" steht. Damit das niemand vergißt, ist auf den Namens-Bändchen um den Hals der Mitarbeiter verewigt: "Wir sind weltweit eine Familie - Wal-Mart".

Und natürlich ist Geschäftsführer Böhlert auch für Birgit an der Kasse nur der Peter. "Wir duzen uns alle. Dadurch wollen wir Hierarchien abbauen. Die Türen der Geschäftsleitung stehen allen Mitarbeitern immer offen." Eine ähnliche Unternehmens-Philosophie pflegen etwa auch das englische Kaufhaus Marks & Spencer, der schwedische Möbelriese Ikea oder auch H & M.

Was ist mit Mitarbeitern, die sich trotz aller "Familienzusammengehörigkeit" nicht so recht mit den neuen Methoden anfreunden können? "Gezwungen wird hier niemand. Ich versuche, im Gespräch herauszufinden, was dem Einzelnen nicht gefällt", so Böhlert. Mit einer Kündigung müsse ein Cheer-Verweigerer nicht rechnen.


© Westline


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