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Preiskampf entfacht -- Kartellamt gelassen nach Check von Wal-Mart-Preisen / Von G. Hanke und M. Brück

Die Chancen, dass das Bundeskartellamt dem neu entfachten Preiskampf rasch einen Riegel vorschiebt, sind gering. Ein erster Preischeck zeigt: Wal-Mart verkauft die weitaus meisten Artikel nicht unter Einstand. Die Lieferanten liefern offensichtlich zu Top-Konditionen. Für Dr. Karl-Heinz Ruppelt vom Kartellamt ist klar: "Beim Einstandspreis ist Aldi nicht mehr zwangsläufig das Maß aller Dinge."
 
Die jüngste Preisrunde im deutschen Lebensmittelhandel, der sich -- wie die Reaktionen von Lidl, Norma, Netto oder auch Real zeigen -- auf Dauer wohl kein Wettbewerber entziehen kann, sorgt für viel Emotion in den Handelszentralen. Recht emotionslos hingegen analysiert das Bundeskartellamt die Lage.
 
Auf Anfrage der LZ bestätigte Dr. Hans-Jürgen Ruppelt, Leiter der 9. Beschlussabteilung des Bundeskartellamtes, dass seine Behörde bereits 50 Smart-Preise von Wal-Mart mit Unterstützung der Industrie unter die Lupe genommen hat.

 
Gute Konditionen
 
Das Fazit: Die Smart-Preise, mit denen Wal-Mart vor einigen Wochen begann, Aldi besonders bei Grundnahrungsmitteln systematisch zu unterbieten, verdient nicht das Etikett "Untereinstandspreis-Programm". Wal-Mart sei es offensichtlich gelungen, von seinen Lieferanten sehr gute Konditionen für die Eigenmarken-Range herauszuholen: "Aldi ist bei den Einstandspreisen wohl nicht mehr das non plus ultra", so Ruppelt, der bei einigen Artikeln sogar noch "etwas Luft" sieht.
 
Die vorläufige Aussage der Kartellwächter, die aufgrund von Beschwerden von Verbänden und großer deutscher Handelsunternehmen tätig wurden und in nächster Zeit noch weitere Artikel aus dem Wal-Mart-Sortiment untersuchen wollen, dürfte besonders bei Rewe, dem neben Edeka größten deutschen Lebensmittelhändler, auf Unverständnis stoßen.

 
Vernichtungsfeldzug
 
Die Kölner wollen sich -- nachdem sie es im vergangenen Jahr mit der Untereinstandssystematik auch nicht so genau genommen haben -- diesmal als Musterknaben präsentieren, die einiges daran setzen, den Preiskampf nicht weiter anzuheizen.
 
Die Erklärung zur aktuellen Lage jedenfalls ist eindeutig: "Es handelt sich hier um ein ganz offensichtliches gesetzwidriges Verkaufen einer großen Zahl von Produkten unter Einstand. Die Rewe wird sich an diesem systematischen Verstoß gegen geltendes Recht voerst nicht beteiligen. Offenbar wollen einige Wettbewerber einen Vernichtungsfeldzug einleiten, der an die wirtschaftliche Basis des gesamten Lebensmittelhandels geht."
 
Die Rewe erwartet, wie wohl auch einige namhafte deutsche Wettbewerber, ein schnelles und wirksames Eingreifen des Kartellamtes. Nach augenblicklichem Stand ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie dabei aufs falsche Pferd setzen.

 
Viele Fallstricke
 
Denn sollte das Kartellamt tatsächlich in einigen Fällen nachweisen, dass Wal-Mart, Aldi und Lidl unter Einstandspreis verkaufen, bedeutet dies noch lange nicht, dass die Bonner zügig ein Verwaltungsverfahren (Untersagung) oder gar ein Bußgeldverfahren auf den Weg bringen.
 
Das Kartellamt hat nämlich auch darüber zu befinden, ob eine Preismaßnahme unter bestimmten Umständen sachlich gerechtfertigt ist. Im vergangenen Jahr kam dies Rewe zugute, die erklärte, ihre Tiefpreise seien letztlich nur eine Reaktion auf niedrige Wettbewerbspreise. Auch Dr. Ruppelt sieht in der nötigen "umfassenden Interessenabwägung" viele Fallstricke.
 
Obwohl er im Juli zum Thema Untereinstandspreisverkäufe neue Auslegungsgrundsätze vorlegen will, zerstreut er gleich die Hoffnungen einiger Handelsunternehmen, das Kartellamt könne mit einem transparenten und verbindlichen Maßnahmenkatalog für alle Zukunft die exakte Grenze für Untereinstandspreis-Verkäufe definieren. Ein möglicher Verstoß sei auch in Zukunft in jedem Einzelfall zu prüfen.

 
Roherträge schmelzen
 
Die Rewe wird deshalb -- wie so viele ihrer Konkurrenten -- nicht umhin kommen, die vom Real-Chef Stefan Feuerstein konstatierten neuen "marktorientierten" Preise nachzuvollziehen. Penny und Toom müssen auf alle Fälle reagieren, mutmaßt auch ein Konkurrent.
 
Der Preiskampf, der womöglich allein aufgrund einer Flugblattaktion von einem einzigen Wal-Mart-Manager losgetreten wurde, nötigt damit einen Großteil der deutschen Händler zu einer Reaktion, die keiner will.
 
Viele sind in einem Dilemma: "Man kann sich weder das eine noch das andere leisten", sagt ein Discount-Manager. Nicht zu reagieren hat Umsatz- und Marktanteilsverluste zur Folge. Zu reagieren bedeutet hohe Rohertragseinbußen.
 
Allein Aldi dürfte das Preisdumping rund 200 Mio. DM kosten. Die weiteren Hochrechnungen sind ebenfalls happig. Lidl (100 Mio. DM), Penny (90 Mio. DM), Plus (50 Mio. DM), Norma (30 Mio. DM) und Netto (25 Mio. DM). Wal-Mart selbst kommt günstig weg: 15 bis 20 Mio. DM.


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 Wal-Mart Germany GmbH & Co. KG

29. Juni 2000

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