Wann
wird man bei der Metro schwach?<ZURÜCK>
Wal-Mart will Metro-Konzern übernehmen -- Verhandlungspause aus
taktischen Gründen? -- 60 Euro pro Aktie zu wenig / Von M.
Schellenberger und J. Wolfskeil
Der größte Handelskonzern der Welt, Wal-Mart, möchte die Metro AG
komplett übernehmen.
Bis Freitag letzter Woche haben die Verhandlungsführer beider Seiten in
Düsseldorf intensive Gespräche geführt und alle wichtigen
betriebsinternen Unterlagen analysiert. Für Wal-Mart überraschend,
wurden die Sondierungen am Freitag offiziell abgebrochen. Im Umfeld
beider Unternehmen geht man jedoch davon aus, dass die Metro mit diesem
Schritt den von Wal-Mart erzeugten Zeitdruck aus den Verhandlungen
nehmen wollte.
Der Preis muss stimmen
Beide Seiten sind sich nämlich noch nicht über den Preis einig.
Insider gehen davon aus, dass ein strategischer Preis jenseits der 65
Euro -- aktueller Börsenkurs: gut 40 Euro -- den Deal zu Stande kommen
ließe. Zitat: "Bei 70 Euro würden bei den Hauptaktionären alle Dämme
brechen."
Die Absicht, Metro komplett zu übernehmen, ist eine neue Sichtweise des
US-amerikanischen Konzerns. Bislang hatte er sich immer nur um die Großflächen
(Real, Extra) der Metro bemüht. Kluge Ratgeber müssen indessen den
Amerikanern vorgerechnet haben, dass das Gesamtpaket trotz seiner
gewaltigen Finanzdimensionen ein sicheres Geschäft ist. Bei einem
Verkaufspreis von 70 Euro pro Aktie ginge es bei Wal-Mart um eine Summe
von 45 Mrd. DM. Zum Erwerb der einfachen Mehrheit (über 50 Prozent) müsste
man rund 23 Mrd. DM in bar auf den Tisch legen, der Rest könnte im Wege
des Aktientauschs finanziert werden. Wal-Mart könnte das Geschäft mühelos
abwickeln, der Cash-Aufwand beträgt gut 11 Mrd. Dollar -- in etwa der
Kaufpreis, den man zuvor für das britische Filialunternehmen Asda
gezahlt hatte.
Vieles lässt sich verkaufen
Die Amerikaner erhielten dafür jedoch Vermögenswerte, die größtenteils
gut versilbert werden könnten. Für die Bereiche Mediamarkt und
Praktiker ließen sich strategische Preise erzielen. Allein der ebenso
wachstumsträchtige wie internationalierungsfähige Mediamarkt könnte
bei rund 15 Mrd. DM Umsatz und über 600 Mio. DM Gewinn zwischen acht
und zehn Mrd. DM einspielen. Die Warenhaussparte wäre wahrscheinlich
ohne nennenswerte kartellrechtliche Probleme an Quelle/Karstadt
weiterzureichen. Sie läuft gegenwärtig mit über drei Prozent
Umsatzrendite und wurde bereits vor einiger Zeit um die schwachen Häuser
bereinigt, die in die Verwertungsgesellschaft Divaco eingegangen sind.
Den hochlukrativen C+C-Bereich, mit dem Metro auf nahezu allen
Kontinenten -- Schwerpunkt: Europa -- vertreten ist, würde Wal-Mart mit
großer Wahrscheinlichkeit behalten. Das System passt voll in die Denke
der Amerikaner. Es ist warenwirtschaftlich ausgereift und nahezu überall
auf der Welt multiplizierbar.
Einmalige Chance für Wal-Mart
Unabhängig von diesen wirtschaftlichen Betrachtungen wäre dies für
Wal-Mart eine einzigartige Chance, sich in Europa, im Osten wie im
Westen, massiv einzunisten. "Diese Chance kommt nie mehr
wieder", so ein Insider. Für den neuen ersten Mann des
Wal-Mart-Konzerns wäre es gleichwohl die schwierigste Entscheidung in
seiner kurzen Amtszeit von weniger als einem Jahr. Kommt die Metro-Übernahme
nicht zu Stande, würde sich jedoch für Wal-Mart über kurz oder lang
die Gretchenfrage stellen: Bleiben wir oder ziehen wir uns zurück?
Dieser Umstand versetzt die Metro in eine komfortable
Verhandlungsposition. Zahlt Wal-Mart keinen angemessenen strategischen
Aufschlag, würden die seit längerem auf "dünner Flamme"
laufenden Verhandlungen mit Tesco intensiviert. Es würde dabei
allerdings nicht um das Gesamtunternehmen gehen, sondern nur um die Großflächen
Real und Extra. Wenn Tesco bereit wäre, hierfür rund elf Mrd. DM
auszugeben, erhielte das Unternehmen sehr wahrscheinlich den Zuschlag.
Mit dem Geldzufluss könnten die Verbindlichkeiten des Metrokonzerns von
knapp vier Mrd. DM abgelöst werden. Rund sieben Mrd. blieben darüber
hinaus als Cash in der Kriegskasse.
Mit Tesco besser leben
Auch diese Variante würde zweifellos den Aktienkurs beleben und damit
insbesondere die Hauptaktionäre zufriedenstellen. Aber auch die
wesentlichsten deutschen Konkurrenten könnten mit dieser Lösung
weitaus besser leben. Im Gegensatz zu Wal-Mart gilt der britische Marktführer
Tesco als ein Unternehmen, das im Wettbewerb die qualitativen
Erfolgsfaktoren des Geschäfts dem Preisdumping vorzieht.
Mehr Infos zum Unternehmen im
Metro
AG
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