Kartellamt
zeigt Preisbrechern die Zähne<ZURÜCK>
Abmahnungen wegen Untereinstandspreisen -- Wal-Mart als Auslöser /
Von Manfred Vossen
Beim Thema Untereinstandspreise will das Bonner Bundeskartellamt offenbar
ernst machen und durchgreifen. Nach Prüfung weiterer Artikelpreise dürfte
es Ende dieser Woche zu Abmahnungen kommen. Dass vor allem Wal-Mart einen
"blauen Brief" aus Bonn bekommt, scheint in der Branche
inzwischen unstrittig.
Seit Monaten ist die Wettbewerbsbehörde dabei herauszufinden, ob
Handelsunternehmen Ware unter Einstandspreis feilbieten. Nachdem eine
erste Prüfung negativ ausfiel, ist das Bonner Amt nun fündig geworden.
Bei Nachrecherchen mussten Wal-Mart, Lidl, Plus und Aldi-Nord in den
vergangenen Wochen wiederholt Stellung beziehen. Die Prüfung ist in den
vergangenen Tagen von der 9. Beschlussabteilung beendet worden. Inzwischen
kann die Behörde offenbar nachweisen, dass in einigen Fällen dauerhaft
gegen den ±20 GWB verstoßen worden ist.
Das Gesetz unterscheidet bei Untereinstandsverkauf zwischen Preismachern
und Preisfolgern. Die Preisspirale war im Mai durch Wal-Mart in Gang
gesetzt worden. Die Wuppertaler Dependance des amerikanischen
Handelsgiganten hatte mit ihrer Eigenmarke "Smart Price" neue
Schwellen im Preiseinstiegsbereich gesetzt. Sie liegen -- als Dauerpreise
ausgelobt -- nach Einschätzung von Branchenkennern vereinzelt unterhalb
der Beschaffungspreise. Zahlreiche Wettbewerber, darunter Aldi, haben die
Preise später nachvollzogen und teilweise noch unterboten.
Inwieweit die Preisfolger ebenfalls abgemahnt werden, war am Mittwochabend
noch unklar. Details will das Bundeskartellamt erst am heutigen Freitag
auf einer Pressekonferenz bekannt geben.
Die Crux scheint zu sein, dass die Behörde sich vornehmlich auf regionale
Preisvergleiche stützt, wie ein betroffenes Unternehmen kritisch anmerkt.
Nach dieser Methodik wären nämlich auch alle Preisfolger betroffen: Hat
etwa Aldi Nord systembedingt flächendeckend die Preise gesenkt, dann gerät
Aldi an den Standorten, an denen Wal-Mart nicht vertreten ist, aus
Amtssicht unversehens in die Rolle des Preismachers.