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Donnerstag, 27. September 2001
Ein Riese wacht auf
Dr. Kay Hafner, Chef von Wal-Mart Germany, will den
schlafenden
Riesen auf Trab bringen. Food Economy fragte nach Plan und Konzept.
Food Economy: Ein französisches Fachmagazin hat Sie als "Mann der
mission impossible" tituliert. Wie sehen Sie das?
Hafner: Das sehe ich keineswegs so. Wir haben seit eineinhalb Jahren gute
Fortschritte gemacht und sind für die Zukunft gewappnet. So gesehen handelt
es sich um eine "mission possible".
Food Economy: Alle Welt redet über Fehler in der Vergangenheit.
Hafner: Natürlich wurden Fehler gemacht. Aber wir glauben, dass wir uns nun
definitiv auf dem richtigen Weg befinden.
Food Economy: Amerikaner haben den Ruf, eher an kurzfristigen Erfolgen
interessiert zu sein.
Hafner: Bezogen auf Wal-Mart und das deutsche Geschäft ist das anders. Hier
hat man den notwendigen langen Atem. Dabei darf man nicht vergessen, dass das
Zusammengehen von Wertkauf, Interspar und Wal-Mart keine leichte Aufgabe
gewesen ist.
Food Economy: Wird man in Bentonville nicht ungeduldig?
Hafner: Von dort kommt ein klares Bekenntnis zu Deutschland. Es gibt eine
dauerhafte Perspektive, den deutschen Markt zu besetzen. Die Devise lautet: Es
muss und wird uns gelingen, mit einem länderspezifischen Paket die Zukunft zu
meistern.
Food Economy: Brauchen Sie in Deutschland nicht so etwas wie "kritische
Masse"?
Hafner: Was heißt das schon? Es wird uns immer wieder von außen nahegelegt,
wie groß wir zu sein haben, um erfolgreich Geschäft zu machen. Ein
Unternehmen ist auch mit 93 Standorten profitabel zu führen. Es geht also
nicht um die Zahl der Standorte, sondern darum, wie man das Unternehmen grundsätzlich
ausrichtet. Nichts zwingt uns zu irgendwelchen Akquisitionen. Das schließt
nicht aus, dass on top eventuell die eine oder andere Akquisition ins Auge
gefasst wird.
Food Economy: Zur Zeit sind etliche zusätzliche Standorte auf dem Markt.
Hafner: Unser erstes Ziel lautet "organisches Wachstum".
Andererseits wollen wir uns für die Zukunft gute Flächen sichern. Unser
Vorteil ist dabei, dass wir nicht auf bestimmte Größenordnungen fixiert sein
müssen, wir können viel flexibler sein als mancher Wettbewerber.
Food Economy: Wie äußert sich die Flexibilität?
Hafner: Wir können mit unseren Konzepten gewissermaßen modulmäßig
unterschiedliche Standorte besetzen – ob das nun 5.000 qm oder 10.000 qm
Verkaufsfläche sind, da sind wir durchaus offen.
Food Economy: Ist Wal-Mart auch offen für eine Expansion ins Ausland, hat
Deutschland in diesem Punkt eine Brückenkopf-Funktion?
Hafner: Wir sind angetreten, um in Deutschland erfolgreich Geschäft zu
machen. Trotzdem bleibt Europa ein Thema, aber von hier aus steht die Frage
nicht im Fokus. Unser kurzfristiges Ziel ist es, die deutschen
Wal-Mart-Standorte so zu verbessern, wie es der Kunde von uns erwartet. Bis
zum Jahresende werden wir einen großen Schritt nach vorn getan haben, weil
wir im Rahmen eines Großprejekts massiv in die Qualität der Standorte
investieren.
Food Economy: Wird sich das im operativen Ergebnis entsprechend ausdrücken?
Hafner: Selbstverständlich, das beweisen die Läden, die wir in dieser
Richtung schon optimiert haben.
Food Economy: Von internationalen Analysten werden Wal-Mart Germany in zwei
bis drei Jahren Gewinne in dreistelliger Millionen-Höhe prophezeit.
Hafner: Zu solchen Prognosen äußere ich mich nicht, und wir verstehen uns
auch nicht als Ankündigungs-Weltmeister. Unabhängig davon kann ich noch
einmal wiederholen, dass wir auf einem guten Weg sind.
Food Economy: Was ist in den letzten Monaten konkret bei Wal-Mart verändert
worden?
Hafner: Aktuell befassen wir uns mit der Logistik, also mit der Frage, wie
sich die unterschiedlichen Lieferrhythmen unterschiedlicher Sortimentsbereiche
optimieren lassen. Das kann man nicht nur über ein Zentrallager steuern,
sondern da muss man zusätzlich mit Spezialisten arbeiten. Das Ganze läuft
also auf eine Optimierung der Lieferzyklen und der Verfügbarkeit der Ware
hinaus. Das heißt: kürzere Lieferzyklen, Reduzierung von out of stocks, höhere
Flexibilität für den Laden, geringere Kosten.
Food Economy: Welche Rolle spielt dabei die Regionalisierung der Sortimente?
Hafner: Regionale Sortimente werden immer zugesteuert. Das ist schon heute so.
87 Prozent der Milch-, Tiefkühl- und Backwaren sowie 23 Prozent des
Trockensortiments beziehen wir von regionalen Lieferanten. Außerdem beschäftigt
uns die Frage, welche Sortiments-Module in welchen Abteilungen nötig sind.
Food Economy: Was hat man sich unter dem Begriff "Sortiments-Module"
vorzustellen?
Hafner: Da geht es unter anderem um das Verhältnis von Marken zu Eigenmarken
und um die Frage, welche Produkte man pro Sortiment braucht, um sämtliche
Preiszonen abzudecken. Diese Arbeit muss man durch das gesamte Sortiment
machen. Und daraus ergeben sich die genannten Sortiments-Module, die auch an
der Größe des Geschäfts orientiert werden. Diese Aufgaben sind zum großen
Teil schon erledigt.
Food Economy: Wie hoch ist bei Ihnen der Eigenmarken-Anteil?
Hafner: Gemessen am Umsatz liegt er derzeit noch unter 5 Prozent. Aber dabei
wird es nicht bleiben, hier werden wir zulegen - auch durch eine
Zusammenarbeit mit unseren englischen Kollegen. Wobei in Deutschland das
Markengeschäft immer im Vordergrund bleiben wird. Englische Verhältnisse mit
Eigenmarken-Anteilen von 30, 40 oder gar 50 Prozent wird es bei uns nicht
geben.
Food Economy: Gibt es im Zuge der Neuorientierung auch eine neue Qualität der
Beziehung zu den Lieferanten?
Hafner: Ja. Gerade jetzt zu Beginn der Jahresgespräche wollen wir ein klares
Signal setzen. Das läuft auf intensivere Kontakte hinaus und auf die
Botschaft, dass wir ein verlässlicher Partner sein wollen. Wir haben
beispielsweise einen sehr systematischen Katalog der konkreten Zusammenarbeit
mit den Lieferanten entwickelt, jeweils strukturiert nach Kernleistungen und
Sonderleistungen. Unsere Einkaufspolitik ist wesentlich partnerschaftlicher,
strukturierter und effizienter geworden.
Food Economy: Wie wird dieses Konzept bei Verhandlungen mit internationalen
Lieferanten umgesetzt?
Hafner: Das wickeln wir in enger Abstimmung mit unserem Headquarter in
Bentonville/USA und mit unseren Kollegen in Großbritannien ab. Hier lassen
sich hervorragend Synergien nutzen. Und das wiederum wirkt sich auf unsere
Produktpolitik aus, insbesondere im Nonfood-Bereich. Da wird es künftig
Produkte geben, die einen international verbreiteten Markennamen haben und die
der Konsument nur bei uns findet. Damit verschaffen wir uns erhebliche
Wettbewerbsvorteile.
Food Economy: Was unterscheidet Sie wesentlich vom Wettbewerb?
Hafner: Wal-Mart wird in Deutschland immer ein Vollsortimenter im Bereich Food
und Nonfood bleiben. Wir stehen nicht nur zu unserem
Dauerniedrigpreis-Programm und zu Roll-back, sondern auch zu unserer Politik
des Komplett-Angebots, wobei das Verhältnis Food zu Nonfood bei etwa 60:40
liegt.
Food Economy: Wie wird die neue Führungsstruktur in Deutschland aussehen?
Hafner: Durch die stärkere Orientierung des Unternehmens auf den deutschen
Markt wird sich die Struktur an bestimmten Stellen verändern. Dieser Prozess
läuft bereits und wird zum Jahreswechsel vollendet sein.